Digitale Kompetenzen im Lehramtsstudium: Das [D-3]-Kompetenzmodell

Das fachdidaktische Studium bereitet die angehenden Lehrkräfte auf ihre Kernaufgabe, die didaktische Vermittlung von Inhalten vor. Mit Blick auf die Anforderungen im Zuge des Digitalisierungsprozesses sind fachübergreifende Kompetenzen wie digitale oder mediendidaktische Kompetenzen aber ebenso von Bedeutung. Daher arbeiten wir im Rahmen des Projektes [D-3] gegenwärtig an der Entwicklung eines Kompetenzmodells für die universitäre Phase der Lehramtsausbildung. Im Unterschied zu anderen Modellen steht die didaktische Zielperspektive einer (medial, digital und kommunikativ basierten) Ver-mittlungskompetenz im Fokus: Denn gerade mit Blick auf das spätere Praxisfeld Unterricht muss diese eine digitale Medienkompetenz, Sprachhandlungskompetenz sowie Informationskompetenz gleichrangig berücksichtigen.
Ohne Zweifel kommt Lehrerinnen und Lehrern eine Schlüsselrolle in der Vermittlung digitaler Kompeten-zen zu. Die Förderung und Entwicklung ihrer Medienkompetenz muss daher expliziter Teil des Lehr-amtsstudiums sein, um dem Problem entgegenzuwirken, das die folgende Abbildung von Kammerl (2010) verdeutlicht:

Teufelskreis Medienbildung nach Kammerl (2010)

 

Bislang sind in der ersten Phase der Lehrer*innenbildung entsprechende Inhalte aus dem Bereich der digitalen Medienkompetenz jedoch nur unzureichend curricular verankert (Monitor Lehrerbildung, 2017/2018). Folglich kann nach Abschluss des Studiums keine allgemeine Aussage darüber getroffen werden, wie vertraut die angehenden Lehrkräfte mit Themen wie digitalen Medien, mobilem Lernen oder gar grundlegenden didaktischen Konzepten von E- und Blended Learning sind. Das auf die Erfordernisse (digitaler) Vermittlung reagierende Medienkompetenzmodell, das derzeit von [D-3] konzipiert wird, stellt dieser Blogbeitrag kurz vor.

Konzeption des Kompetenzmodells

[D-3]-Kompetenzmodell (Stand September 2018)

Die Abbildung stellt die übergeordneten Kategorien des Kompetenzmodells sowie deren Beziehung zueinander dar, die gegenwärtig ausdifferenziert werden. Die Basis für die angestrebte Vermittlungskompetenz, die Medien als Gegenstand des Unterrichts nutzen, reflektieren und didaktisch gezielt einsetzen lässt, bilden Informationskompetenz, digitale Kompetenz und Sprachhandlungskompetenz. Um eine weitere Differenzierung dieser Einzelkompetenzen zu ermöglichen, arbeiten wir mit drei Kompetenzbereichen:

  1. Information + Wissen
  2. Sprache + Kommunikation
  3. Medien + Digitales

Informationskompetenz wird dem Bereich Information + Wissen zugeordnet, Sprachhandlungskompetenz dem Bereich Sprache + Kommunikation und digitale Kompetenz dem Bereich Medien + Digitales. Diese Bereiche sind sowohl für angehende Lehrkräfte als auch für Schülerinnen und Schüler grundlegend, wenn ein informierter und kompetenter Umgang mit Medien erreicht werden soll und bilden daher die Basis des Kompetenzmodells.

Zentrales Element dieser Basis bildet eine Sprachhandlungskompetenz, die neben fachsprachlichen und sprachdidaktischen Fähigkeiten vor allem die pragmatischen Sprachkompetenzen umfasst. Der Kompetenzbereich Digitale Kompetenz wird nach Fähigkeiten im medientechnischen Bereich sowie Kompetenzen auf dem Gebiet der Medienanalyse und -reflexion unterteilt.  Ferner ist der Einbezug von Informationskompetenz im Rahmen des Modells unerlässlich, da Fähigkeiten, wie z.B. Informationen zweck-, zielgruppen-, sach- und medienadäquat aufzubereiten und zu vermitteln (Ballod, 2007) von ebenso grundlegender Bedeutung bei der Konzeption von Unterricht wie beim Umgang mit digitalen Medien sind. Den o.g. Kompetenzbereichen sind verschiedene Operatoren zugeordnet, an deren Kategorisierung und Gewichtung wir derzeit arbeiten, um eine detaillierte und zugleich praktikable Beschreibung der Kompetenzstufen zu ermöglichen. Aus der Lernzieltaxonomie Blooms (1972) sowie den Wissensarten von Mandl (1986) werden derzeit noch Stufen für das Kompetenzmodell abgeleitet

Ausblick

Der Einsatz des Kompetenzmodells soll es ermöglichen, dass ein differenziertes Bild der Kompetenzausprägung der Studierenden entsteht. Dieses dient in der weiteren Projektarbeit der Entwicklung passgenauer Lehr- und Schulungsangebote für die Studierenden, um sie entsprechend ihres Stands optimal fördern zu können. Dabei werden die Bestandteile des Kompetenzmodells modular verstanden, um so die Grundlage für die Entwicklung neuer Lehrveranstaltungskonzepte zu schaffen. Das Kompetenzmodell ist als Work in progress zu verstehen. Ein stetiger Abgleich mit Erfahrungen aus der Praxis ist notwendig, damit das Modell die Anforderungen angehender Lehrkräfte entsprechend abbilden kann. Ferner ist es unser Ziel durch eine Validierung des Modells ein fachübergreifendes Framework für das Lehramtsstudium bereitzustellen, um so einen Standard für die digitale Bildung im Kontext Hochschule offerieren zu können.

Auf unserem Blog werden wir die weitere Entwicklung des Modells dokumentieren und Einblicke in dessen Einsatz geben.

 


Quellen
 Ballod. M. (2007): Informationsökonomie – Informationsdidaktik: Strategien zur gesellschaftlichen, organisationalen und individuellen Informationsbewältigung und Wissensvermittlung. [Habil] Bielefeld: Bertelsmann.

Bloom, B S., Engelhart, M D., Messner, R., Horn, R., & Füner, E. (1972). Taxonomie von Lernzielen im kognitiven Bereich. Weinheim: Beltz.

Mandl, H., Friedrich, H. F.& Hron, A. (1986). Psychologie des Wissenserwerbs. In: Weidenmann, B., Krapp, A., Hofer, M., Huber, G. L.& Mandl, H. (Hrsg.): Pädagogische Psychologie. München: Urban & Schwarzenberg, 143 – 218.

Kammerl, R., Ostermann, S. (2010). Medienbildung – (k)ein Unterrichtsfach? Eine Expertise zum Stellenwert der Medienkompetenzförderung in Schulen.

Monitor Lehrerbildung 2017/2018. https://www.monitor-lehrerbildung.de/export/sites/default/.content/Downloads/Monitor-Lehrerbildung_Broschuere_Lehramtsstudium-in-der-digitalen-Welt.pdf [21.09.18]

Schreibe einen Kommentar