„Autonomes E-Learning“

Die öffentliche Verteidigung von Björn Langkopf, die heute Mittag am Anglistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stattfand, bot einen exklusiven Voreinblick in seine Dissertation, deren Erscheinen mit Spannung erwartet werden darf. Denn seine Arbeit zum „Autonomen E-Learning“ stellt nicht nur gängige Konzepte des digitalen Lehrlernens auf den Prüfstand, sondern eröffnet, so verspricht der Untertitel der Arbeit, „Perspektiven einer Didaktik des selbstgesteuerten digitalen Lernens“. Und in der Tat weisen seine Ergebnisse Perspektiven für die Entwicklung künftiger E-Learning bzw. E-Teaching-Szenarien aus, die durch ihre Ableitung aus seiner empirischen Untersuchung sehr zu überzeugen vermögen.

Der Promovend hat eine empirische Studie im fachsprachlichen Englisch-Unterricht mit hundert erstsemestrigen Studierenden aus ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen an einer Hochschule durchgeführt, deren methodisches Herangehen, Design und Auswertung er souverän und zugleich nachvollziehbar zu präsentieren verstand. Deren Ergebnis, ein Herzstück der Arbeit, ist eine Datenbank, die derart detailliert und umfangreich ist, dass sie die Betrachtenden um den Verstand zu bringen in der Lage wäre. Der Kandidat hingegen brachte Verstand hinein: nicht nur konnte er nachweisen, dass E-Learning einen höheren Lernzuwachs beim Lernenden bewirkt als ausschließlich konventionelles Lernen. Das allein schon dürfte für alle diejenigen, die sich am und mit dem E-Learning abarbeiten, ein erfreuliches Ergebnis sein. Darüber hinaus zeigt er auf der Lernendenseite auf, dass auch die Art und Weise des E-Learning von den Lernenden, selbst von den vermeintlichen ‚digital natives‘ erst zu erlernen ist.

Für die Lehrendenseite außerdem zukunftsweisend identifiziert er auf der Grundlage des Datensatzes multifaktoral verschiedene Lernendentypen und kommt zu dem Schluss, dass die Wahl des E-Learning-Formats allein nicht über die (zu erwartenden) Lerneffekte entscheidet, sondern sich vielmehr Persönlichkeitsmerkmale wie Lernstrategien und -tempi, Motivation, technische Aufgeschlossenheit u.v.a. auf die Lernerfolge auswirken. Das nun mag man aus der bisherigen Lernforschung schon gewusst haben, doch führt diese Arbeit nun den Nachweis, dass und vor allem welche Lernendentypen beim E-Learning zu beachten sind: Denn damit – nach Björn Langkopf – „pragmatisch/sachlich“, „affektiv/intuitiv“ oder „enthusiastisch/sinnlich“ Lernende tatsächlich und bestmöglich vom E-Learning profitieren können, müssten „E-Learning-Parcours“ mit multimedialen Inhalten und verschiedenen Arten von Navigationsmöglichkeiten unterschiedliche Lernwege bauen. Genau diese Art von Forschung braucht es, um Hinweise darauf zu bekommen, warum manche bestehende E-Lernplattform zur wüsten Einöde gerät, und was schon in der didaktischen Gestaltung künftiger E-Learning-Tracks zu beachten ist, damit Lernende und mit ihnen auch die sie begleitenden Lehrenden zum Erfolg geführt werden.
Wir gratulieren zur sehr verdienten Promotion, Dr. Langkopf!   Vivat, vivat!

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