Tool des Monats: Perusall

Wie funktioniert Perusall?

Perusall ist eine webbasierte Plattform zum Lesen und Annotieren von Lehr-Lernmaterialien. Obwohl diese Funktion im Vordergrund steht und den Hauptreiz des Tools ausmacht, ist Perusall als komplexe Plattform mit einer eigenen Nutzerverwaltung gestaltet. Die Organisation der Plattform orientiert sich an den Möglichkeiten, Kurse oder so genannte Klubs zu erstellen, Studierende in Kurse einschreiben zu lassen und übergreifende Dokumente-Kataloge zu durchsuchen. Für die Nutzung registriert man sich zunächst mit einer beliebigen E-Mail-Adresse oder alternativ mit einem bestehenden Facebook-, Google- oder Twitter-Konto: https://app.perusall.com/accounts/register. Nach der Anmeldung gelangt man dann zur Hauptseite der Plattform, deren Oberfläche dabei recht einfach und übersichtlich aufgebaut ist.

Abb. 1: Startseite und Aufbau der Leseplattform Perusall

Neben diesen allgemeinen Organisationsmöglichkeiten gibt es eine Reihe weiterer Teilfunktionen, die die Arbeit mit der Lese-Plattform Perusall erleichtern. Zum einen kann man sich in der Übersicht bereits erstellte Kurse anzeigen und sortieren lassen, um somit seine Lehr-Lernräume besser organisieren zu können. Ebenso sieht man auf einen Blick Kurse, die man bereits archiviert hat. In einem Bereich rechts oben auf der Seite gelangt man zu den Konto-Einstellungen, bei denen man u.a. sein Profil bearbeiten, einen Sicherheits-Check machen und sein Passwort ändern kann. Links daneben befindet sich ein Hilfe-Menü, bei dem man über eine Schlagwortsuche Antworten für Probleme und Themengebiete bekommen oder den Perusall-Support über ein integriertes Hilfe-Formular kontaktieren kann. Auch das Anhängen von bis zu fünf Dateien ist hier möglich.

„Social Reading“ - Texte kollaborativ lesen und erarbeiten

Kurse zur Leseförderung nutzen

Eine der Hauptfunktionen von Perusall ist die Möglichkeit, Texte gebündelt zur Verfügung zu stellen, damit diese von Studierenden gemeinsam gelesen und kommentiert bzw. annotiert werden können.    Dazu erstellt der Dozierende auf der Startseite einen Kurs, welcher für die eigenen Lehrzwecke weitgehend individualisiert werden kann. Dabei kann entschieden werden, ob Studierende dem Kurs direkt über perusall.com beitreten oder dieser in ein eigenes Lernmanagementsystem integriert werden und von dort aus zugänglich sein soll. Der Kursraum selbst bietet dann die Möglichkeit, Dokumente zum studentischen Lesen bzw. Erarbeiten einzustellen, wobei hier im Wesentlichen Dateiformate vom eigenen Computer oder einer Dropbox (.pdf, .epub, .docx), Snapshots einer Webseite, Podcasts oder Videos (YouTube, Vimeo, Dropbox, Google Drive oder Direktlink) verwendet werden können. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, sich über einen Chat einzeln oder in Gruppen miteinander auszutauschen – ein allgemeiner Chat sowie einer für Ankündigungen von Dozierenden sind bereits voreingestellt. Für die didaktische Nutzung von Perusall im Seminar können außerdem Leseaufträge für Studierende vergeben werden, damit sie sich fragen- und aufgabengeleitet einem Dokument zuwenden können. Hierbei sind verschiedene Einstellungen und Funktionen möglich, wie z.B. Abgabetermine einzurichten und für einzelne Studierende zu verlängern sowie Berichte über die Lernerfolge und Problemstellen ausgeben zu lassen.     

Abb. 2: Kursoberfläche Perusall mit der Verwaltung von Dokumenten und Leseaufträgen sowie Chatfunktionen

Textzugänge erleichtern und Textverständnis fördern

Der Einsatz des Annotationstools ist vor allem hilfreich, um Studierenden die Arbeit mit einem wissenschaftlichen Fachtext zu erleichtern, indem in einer webbasierten Leseumgebung Kommentare und Fragen zu spezifischen Textstellen angebracht, geteilt und gemeinsam diskutiert werden können. Damit können, insbesondere bei Studienanfängern, die Hürden des Lesens wissenschaftlicher Texte erleichtert und Formen der gegenseitigen Unterstützung gefördert werden.

Zum einen können Studierende damit untereinander bzw. mit Unterstützung der Lehrenden Verständnishilfe bei unbekannten Fachtermini, die einer ausführlicheren Erklärung bedürfen, leisten. Dazu wird der entsprechende Begriff markiert, eine Frage bzw. Anmerkung dazu angefügt, die dann für alle sichtbar ist und (a-)synchron beantwortet werden kann. Blau markierte Textteile korrespondieren dabei mit Threads, die vom Dozierenden begonnen wurden, gelbe hingegen mit solchen, die jeweils Studierende initiiert haben.

Zum anderen können zentrale Positionen des Textes unter einer spezifischen Frage- oder Aufgabenstellung diskutiert werden – gerade solche, die etwas schwer verständlich sind bzw. Anlass für Fragen oder zur Diskussion bieten. Durch die selbständige Organisation der kollaborativen Textarbeit werden Studierende nicht nur motiviert und aktiviert, sondern ihre eigenen Lern- und Verstehensprozesse werden damit auch sichtbar und bewusster gemacht.

Konkrete Einsatzmöglichkeiten im Seminar können daher folgende sein:

  • Leseaufträge: Studierende bekommen eine fest terminierte Aufgaben- oder Fragestellung zu einem oder mehreren Fachtexten
  • Arbeitstechniken: Studierende üben durch das Reflektieren, Hervorheben und Kommentieren von Textpassagen die methodische Auseinandersetzung mit Fachtexten ein
  • Lese- und Textverständnis: Studierende setzen sich durch die gemeinsame Analyse von Fachtexten vertieft mit Fachinhalten auseinander

Welche Alternativen zu Perusall gibt es?

Was das kollaborative und webbasierte Annotieren von Inhalten anbelangt, nimmt Perusall nahezu eine Monopolstellung ein. Dennoch gibt es einige weitere Möglichkeiten, wie webbasierte Inhalte gemeinsam annotiert werden können. Eine weit verbreitete Open-Source-Lösung ist das Programm hypothes.is, welches insbesondere zum Kommentieren von Online-Inhalten (Webseiten, Blogbeiträge, PDFs) geeignet ist. Mit dem Programm ist allerdings nicht möglich, passwortgeschützte Inhalte (z.B. innerhalb einer Lernplattform) zu kommentieren. Für alle Inhalte, die frei verfügbar sind, bietet sich hier dennoch ein breites Feld an Möglichkeiten. Das Programm kann als Plug-In kann über den Browser (am besten eignet sich hier Chrome; für Firefox steht leider kein originales Plug-In zur Verfügung) installiert werden.

Eine weitere Alternative stellen spezifische Lösungen dieser didaktischen Anforderungen für einzelne Lernplattformen dar. Für das Lernmanagementsystem Moodle gibt es beispielsweise das Plugin-In PDF Annotation, das von der RWTH Aachen entwickelt wurde. Dieses Plugin ermöglicht es, auch im Rahmen einer geschlossenen Lehrveranstaltung eigene PDFs hochzuladen und diese durch Studierende annotieren und kommentieren zu lassen. Da das Plug-In als eigene Aktivität flexibel in einen Online-Kurs eingebunden werden kann, bietet es sich genau so sehr für die Durchführung und Koordination bestimmter Lektüre-Aufgaben an, wie sie mit Perusall ermöglicht werden können.

Fazit

Perusall deckt ein akutes Bedürfnis vieler textbasierter Lehrmodelle ab: die intensive Arbeit mit Texten, die sich nicht nur auf die reine Lektüre beschränkt, sondern ein kritisches und kollaboratives Erarbeiten durch die Studierenden ermöglicht. Mit Annotationstools wie Perusall kann Studierenden ein vertieftes Textverständnis ermöglicht werden, indem der Zugang zu Fachtexten erleichtert wird. Dies wird insbesondere mit von Dozierenden geleiteten Leseaufträgen unterstützt, bei denen Texte z.B. über das Diskutieren von Fachtermini und einzelnen Textpassagen sukzessive erarbeitet werden. Durch das gegenseitige Austauschen und Vermitteln der Leseinhalte können Studierende hierbei stärker motiviert und in ihren eigenen Lern- und Verstehensprozess involviert werden.   

Weiterführendes/Links:

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