Tool des Monats: Ring-a-Scientist

Plattform zur Vernetzung von Wissenschaftler*innen und Schule

  • webbasiert
  • kostenlos
  • für Kontaktaufnahme keine Registrierung notwendig

Schule und Wissenschaft sinnvoll verbinden, authentische Expertise in den Unterricht integrieren, anschauliche Anwendungsbeispiele der Praxis vorstellen

Ring a Scientist heißt übersetzt Ruf eine*n Wissenschaftler*in an. Das steckt dahinter:

Digitale Klassenfahrten ins Labor? Live-Gespräche mit Expert*innen im Klassenzimmer? Dank Internet und Videochatprogrammen ist das – die entsprechende Infrastruktur an der Schule vorausgesetzt – eine gute und praktikable Möglichkeit, auch ohne Exkursion einen Alltags- und Anwendungsbezug herzustellen und authentische Expertise in den Unterricht zu integrieren. Die Plattform Ring-a-Scientist macht sich die modernen Medien zu Nutzen und eröffnet interessierten Lehrkräften die Möglichkeit, Expert*innen jederzeit ins Unterrichtsgeschehen einzubinden. Die Hürden, die mitunter bei Schulausflügen auftauchen, da diese zum Beispiel nur in begrenzter Zahl stattfinden können und einen höheren organisatorischen Aufwand bedeuten, sind mit diesem innotivativen Netzwerk genommen. Ring-a-Scientist leistet einen Beitrag dazu, Schule und Wissenschaft stärker zu verzahnen und die Anschlussfähigkeit schulischer Inhalte an die Alltags- und Wissenschaftswelt zu erhöhen.

Startbildschirm von ring-a-scientist.org

Expert*innen finden:

In der Personen-Datenbank der noch recht jungen Plattform finden sich bereits jetzt Wissenschaftler*innen aus allen möglichen Fachbereichen. Die Expert*innen legen ihr Profil selbst an und treffen eine Auswahl, was sie während einer Videokonferenz anbieten können (z.B. über aktuelle Forschungen sprechen) und für wen sie zur Verfügung stehen (z.B. sowohl für Schulen als auch für Universitäten). Zusätzlich kann auch ein individueller Vorstellungstext verfasst werden, der dann in der Übersichtsseite erscheint und Suchenden noch mehr Anhaltspunkte bietet.

Beispielprofil: Ring-a-Scientist-Gründerin Kerstin Göpfrich ist selbst Teil der Community
Beispiele für Filtermöglichkeiten im Bereich "Schulfach". Insgesamt stehen neben der Option "Fächerübergreifend" 18 Schulfächer zur Auswahl.

Wer als Lehrkraft eine*n Wissenschaftler*in für den eigenen Unterricht sucht, kann über die Plattform in der Personen-Datenbank stöbern, eine Anfrage stellen oder eigene Inhaltsvorschläge machen. Auch ohne Registrierung könnt ihr die Datenbank durchstöbern und beispielsweise nach euren Unterrichtsfächern filtern. Eine Mehrfachauswahl ist möglich.

Expert*in werden:

Da die Anmeldung für Personen, die in einem Wissensbereich ihre Expertise anbieten wollen, ganz unkompliziert funktioniert, kommen sicherlich in Zukunft noch weitere Angebote dazu. Bei Ring-a-Scientist sind ausdrücklich nicht nur Professor*innen erwünscht, sondern auch Studierende und Promovierende, die ebenfalls Einblicke in ihr wissenschaftliches Arbeiten anbieten möchten. Somit ist es auch denkbar, dass man als Lehrkraft die Plattform in zwei Rollen nutzen kann: einerseits als Fachexpert*in für ein bestimmtes Gebiet und andererseits als Nutzer*in, um geeignete Beiträge und Formate in den eigenen Unterricht zu integrieren

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

So vielseitig wie die angebotenen Fachbereiche sind auch die möglichen Einsatzszenarien im Unterricht: 

  • praktische Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten und Forschen gewähren (z.B. Demonstrieren von bestimmten Methoden oder Messungen)
  • Diskussionsrunden mit Expert*innen veranstalten
  • Fragen zu Studium oder Karrierechancen beantworten
  • für die multiperspektivische Betrachtung eines komplexen Themas sensibilisieren

Idee für das Fach Deutsch: "Fakt oder Fake?" mit Ring-a-Scientist

In Anbetracht der heutigen Informationsmenge ist der Zugang zu Wissen zwar leichter denn je, doch gleichzeitig sorgen die Vielfalt und die Komplexität der Inhalte oft dazu, dass fundierte und zuverlässige Quellen schwieriger zu finden sind. Wenn Lernende im Fach Deutsch ein Verständnis für Argumentationstechniken und Meinungsäußerung entwickeln, kommen sie heutzutage am Thema Fake News fast nicht mehr vorbei. Gerade weil in kontroversen Debatten mittlerweile jede*r die Möglichkeit hat, am Meinungsaustausch zu partizipieren, wird es immer undurchsichtiger, welche der getroffenen Aussagen auf einem evidenzbasiertem Fundament stehen und nachprüfbar sind. Hinzu kommt, dass Falschinformationen nicht nur auf einen Mangel an Hintergrundwissen zurückzuführen sind, sondern sich auch Fälle von gezielt verbreiteten Fake News häufen.

Ring-a-Scientist bietet hier die Chance, Schüler*innen für das große Thema “Fakt oder Fake” zu sensibilisieren, indem den Lernenden Wissenschaftler*innen als direkte Informationsquelle zur Verfügung stehen. Das fördert die Informationskompetenz der Lernenden auf besondere Weise, da sie anders als beim Recherchieren nicht nur mit Schlagworten arbeiten, sondern gezielte und konkrete Fragen stellen lernen. Darüber hinaus können die Expert*innen von ihren Erfahrungen im Umgang mit falschen Behauptungen innerhalb der Wissenschafts- sowie Medienlandschaft berichten und ihre Tipps verraten, Fakten und Falschinformationen zu erkennen. 

Fazit

Der durch Ring-a-Scientist gewonnene außerschulische Anwendungsbezug lädt dazu ein, über Fächergrenzen hinaus zu denken und den Lernenden die Verbindungen einzelner Schulfächer bewusst zu machen. Die Verknüpfungvon Alltags- und Wissenschaftsfeld unterstreicht außerdem die Relevanz der schulischen Inhalte und ermöglicht anwendungsorientierten Unterricht. Eine gute technische Infrastruktur an der Schule (oder auch Universität) vorausgesetzt, kann Ring-a-Scientist nach erfolgter Personensuche und Kontaktaufnahme relativ unkompliziert in den Lehrablauf integriert werden. Damit das innovative Lehr-Lern-Format seine Potenziale entfalten kann, empfiehlt es sich, den Rahmen für das Treffen mit dem*der Expert*in zu strukturieren und beispielsweise mögliche Fragen zu formulieren – idealerweise gemeinsam mit den Lernenden. 

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